Auf der Suche nach der nächsten Steckdose

Ich wollte schon immer einen Audi vor der Tür stehen haben. Seit ich 16 bin, träume ich davon – bisher hat es aber noch nicht zu einem Audi gereicht. Und mit dem Alter ändern sich die Prioritäten.

Jetzt hatte ich eine Woche Zeit und Gelegenheit, gleich den Umstieg vom Benziner zum E-Fahrzeug unter die Lupe zu nehmen. Was kann der E-Tron. Und was nicht.

Wo fange ich an? Der E-Tron steht vor meiner Tür und diverse Nachbarn stehen um das Fahrzeug herum – das wäre ja sehr spannend, so ein Umstieg auf ein E-Auto. Die Enttäuschung ist groß, als ich verrate, dass das Fahrzeug bereits nach einer Woche wieder auszieht. Aber alle möchten informiert werden, wie das Leben auf E denn so war. 

Bei Audi gibt es keine Holzklasse. Das gilt auch für den E-Tron sitzt. Alles ist hochwertig, ich möchte eigentlich die ganze Zeit über die Armaturen streichen und auf keinen Fall Flecken aufs Display machen – wie sieht das denn aus.

Ich fühle mich sofort so wohl, dass ich mir vorstellen könnte, hier auch einzuziehen – nur um verständlich zu machen, wie gemütlich, bequem und heimelig dieser Wagen ist. Noch ist noch nicht mal der Motor an.

Beim Start dann zum ersten Mal ein komisches Gefühl: Reichweite 303km. Irgendwie kommt mein Kopf nicht damit klar, dass so ein SUV nur so kurze Strecken fahren können soll.

Die wichtigste Frage aber zuerst. Wo lade ich das Teil eigentlich?

Nach meiner ersten Fahrt, die etwa 15 Minuten in Anspruch nahm, steht die Reichweite bereits bei 280km – ich fange mir an Sorgen zu machen, wie oft ich den E-Tron diese Woche noch laden muss. Zumindest wenn ich ihn nicht nur vor meiner Haustür anhimmeln möchte.
Ich kann das abkürzen: der arme Mann, der das Auto von Audi zum Ende der Woche abgeholt hat, musste erstmal laden fahren – aber er sei das schon gewohnt. Er hätte schon viele leere Autos vor die Nase gestellt bekommen. 

Hier kommen wir auch schon zu meinem eigentlichen Problem an der ganzen Geschichte: Ich selbst wohne nicht zentral, die nächste Ladestation ist einen Kilometer entfernt (zu Fuß). Aber: der Parkplatz vor der Ladestation ist zu 90% zugeparkt. Mit Benzinern. Denn die Ladestation ist in einem eher parkplatzunfreundlichen Gebiet untergebracht. Wer zuerst kommt, parkt, da kennt der Benziner nix.

Die einzige Schnell-Ladestation ist bereits 5 km entfernt. Immerhin auf einem Parkplatz, das ist auch für die Ansteckerei mit dem Kabel gut, denn ich habe nicht ganz verstanden, warum ich das Ladekabel auf der Fahrerseite einstecken muss – ist das doch die Seite, die meistens in Richtung Straße, nicht Ladesäule steht. 

Und Laden? Nun ja, auf einen Kaffee – aber das ist nun wirklich mein kleinstes Problem. Der Ladevorgang von 5 auf 80 Prozent dauert an einer Schnell-Ladestation nur etwa eine halbe Stunde. An einer normalen Station dauert es etwa sieben Stunden und an der heimischen Steckdose natürlich noch etwas länger.

Und das Fahrgefühl?

Der E-Tron macht Spaß. Ein schönes Fahrgefühl. Die Lenkung ist direkt. Das Kurvenfahren mach Spaß. Schlicht, er ist sportlich, spritzig und leise. Und das schon in der alten Variante – denn seit März 2020 gibt es für den Vollelektrischen SUV ein Update. Elegantes Coupé-Heck und ein überarbeitetes Akku-Management gehören dazu. Die neue Version schafft 25 km mehr.

Das größte Manko ist und bleibt also bisher die schlechte Infrastruktur für Ladesäulen – die Apps zeigen zum Teil nicht alle an, sind zudem unzuverlässig (Stationen werden als frei angezeigt, sind es aber nicht) und manche stoppen den Ladevorgang nach einer bestimmten KW-Anzahl. Dazu kommt, dass so eine Ladung auch unglaublich teuer werden kann, einige lassen sich ordentlich dafür bezahlen, dass man deren Ladestation nutzt.

Und die Anschaffung einer eigenen Ladestation? Ist natürlich möglich. Kostet natürlich auch was und ist in einem Mehrfamilienhaus mit Sicherheit nicht „einfach so“ drin.

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